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Die wichtigsten deutschen Unternehmen in der Ukraine halten trotz des Krieges ihre Produktion aufrecht. Dies ist das ermutigende Ergebnis einer Abfrage des Ost-Ausschusses, an der sich 35 in der Ukraine aktive Unternehmen beteiligten. Dabei sind die Kämpfe der vergangenen vier Wochen auch an den Unternehmen nicht spurlos vorübergegangen: Über zwei Drittel waren insbesondere in den ersten Kriegstagen von Produktionsausfällen betroffen, gut 40 Prozent haben bereits Vermögensschäden erlitten. Liquiditätsengpässe und die Aufrechterhaltung von Logistikketten unter anderem auf Grund fehlender Fahrer und Fahrzeuge sowie von Problemen mit der Versicherung stellen eine tägliche Herausforderung dar.

Während der Corona-Pandemie und der weltweiten Lockdowns waren es die Transport- und Logistikunternehmen, die die Lieferkette zusammen und so die Weltwirtschaft am Laufen gehalten haben. Kasachstan spielte dabei als Transitland zwischen China und Europa eine wichtige Rolle. Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine und den daraus folgenden Sanktionen gegen Russland und Belarus sind neue Herausforderungen für das zentralasiatische Land aufgetreten, das keinen eigenen Zugang zu den Weltmeeren hat. 

Am 29. März organisierte der Ost-Ausschuss einen Arbeitsbesuch in Zagreb. Die von Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Michael Harms geleitete Delegation traf dort mit Premierminister Andrej Plenkovic sowie weiteren Regierungsvertretern zusammen. Ziel dieses Besuches war es, in Gesprächen vor Ort aktuelle Themen und Kooperationsperspektiven der deutsch-kroatischen Wirtschaftszusammenarbeit zu ermitteln. Besonders die Digitalisierung und die Umsetzung des Europäischen Green Deal sind von hoher Relevanz.

Energie, Agrarwirtschaft, Automotive – diese Themen standen im Mittelpunkt eines Arbeitsfrühstücks, das der Ost-Ausschuss und die German Agribusiness Alliance am 6. April 2022 zu Ehren der moldauische Premierministerin Natalia Gavrilița organisierten. Im Gespräch mit Mitgliedsunternehmen beschrieben Gavrilița, ihr Stellvertreter und weitere Kabinettsmitglieder die enormen Kraftanstrengungen ihres Landes angesichts des russischen Krieges gegen die Ukraine.

Am 12. April begrüßte der Ost-Ausschuss über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem Briefing mit den deutschen Botschaftern in Armenien, Viktor Richter, Georgien, Hubert Knirsch sowie dem Geschäftsträger in der Deutschen Botschaft in Moldau, Ullrich Kinne, die über die aktuelle politische Situation und Auswirkungen des Krieges in der Ukraine berichteten. Ricardo Giucci, Leiter des German Economic Team (GET), stellte die neuen Prognosen für 2022 nach dem Ausbruch des Krieges vor.

„Der massive Einbruch unserer Exporte nach Russland von fast 60 Prozent oder umgerechnet über eine Milliarde Euro im März war zu erwarten. Dieser Abwärtstrend ist keine Momentaufnahme, sondern wird sich in den kommenden Monaten weiter verstärken. Die Sanktionen der internationalen Gemeinschaft gegen Russland im Finanzbereich und die eingeführten Exportverbote für zahlreiche Produktgruppen, aber auch Unterbrechungen in den Lieferketten haben schnelle Wirkung gezeigt", sagt der Ost-Ausschuss-Vorsitzende Oliver Hermes.
Am 28. April besuchte eine Delegation des Ost-Ausschusses unter Leitung von Thomas Narbeshuber, dem Sprecher des Arbeitskreises Südosteuropa, die kosovarische Hauptstadt Pristina. Ziel war es, nach einer coronabedingten Pause das persönliche Gespräch mit der Regierung unter Premierminister Albin Kurti aufzunehmen, die seit Frühjahr 2021 im Amt ist.
Oliver Hermes legt mit Wirkung zum 1. Juni 2022 sein Amt als Ost-Ausschuss-Vorsitzender nieder. Hermes war seit September 2019 Vorsitzender der größten Regionalinitiative der deutschen Wirtschaft. „In der Ausübung meines Ehrenamtes war ich in den letzten drei Jahren in der Verantwortung, die Interessen von über 300 Mitgliedsunternehmen in 29 Partnerländern in Mittel- und Osteuropa zu vertreten“, sagt Hermes, der Vorstandsvorsitzende und CEO der Wilo Gruppe ist. „Nicht nur geopolitisch, sondern auch ökonomisch stehen Unternehmen vor einer Zeitenwende. Die weltweit eng verwobenen Wertschöpfungsketten entflechten sich mit zunehmender Geschwindigkeit und werden regionaler bzw. lokaler. In der Zukunft sehe ich es deshalb als meine höchste Priorität an, den erfolgreichen Kurs meiner Unternehmensgruppe fortzusetzen und mich hierauf zu konzentrieren. Dies erfordert meine ganze Kraft und Energie.“

Am 4. Mai fand der virtuelle Austausch der Mitglieder des Arbeitskreises Fachkräftesicherung des Ost-Ausschusses zu den Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf die Arbeitsmärkte in Deutschland und Osteuropa statt. Im Rahmen der außerordentlichen Sitzung standen die Themen Unterstützung für Fachkräfte in/aus der Ukraine sowie Rahmenbedingungen für den Arbeitsmarkteintritt von Fachkräften aus Russland in Deutschland/Osteuropa.

"Im deutschen Osthandel haben sich im März 2022 die gravierenden wirtschaftlichen Folgen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine bemerkbar gemacht. Der deutsche Handel mit der Ukraine leidet erwartungsgemäß am stärksten unter dem Krieg. Die deutschen Ausfuhren nach Russland brachen im Vergleich zu März 2021 massiv um 58 Prozent ein, der Export nach Belarus sank um knapp die Hälfte. Wirtschaftliches Rückgrat des deutschen Osthandels bleiben die mittelosteuropäischen Nachbarn Polen und Tschechien", sagt die stellvertretende OA-Vorsitzende Cathrina Claas-Mühlhäuser.

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